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Daten über Daten
 
Während in der digitalen Ära das Erstellen und Speichern von Daten im Vordergrund stand, definieren inzwischen Metadaten (i.e. Daten über Daten) die Art und Weise wie das Digitale untrennbar mit unserem analogen Alltag verschmolzen ist. Metadaten als lesbare Repräsentate von latenten Vektorräumen sind das digitale Interface, das beide Welten koppelt. Selbst klassische indexikalische Daten wie Zeitstempel, Standortdaten oder Verknüpfungen zu Bilddateien wirken heute nicht mehr statisch in isolierten Datenbanken; sie werden von modernen Systemen in hochdimensionale Vektorräume eingespeist, dort stochastisch neu korreliert und steuern unsichtbar und autonom unser Leben. 
Seit wir in einer nicht mehr überschaubaren Informationsflut leben, liegt der Fokus nicht mehr auf der Beschaffung von Daten, sondern auf deren Kategorisierung, Bewertung und Verknüpfung. Genau das leisten Metadaten. Nicht der Inhalt einer Information ist heute oft das Wertvollste, sondern ihr Metadaten-Muster. Durch Metadaten erhalten reale physische Objekte und Personen eine digitale Identität (z. B. via QR-Codes, RFID oder Geotags). Diese klassischen Schnittstellen machen die analoge Welt zwar maschinenlesbar, doch erst ihre Überführung in die latenten Räume der KI verwandelt sie von statischen Katalognummern in dynamische Verhaltensmuster. Metadaten machen sichtbar oder unsichtbar, in der Regel ohne daß wir darauf einen Einfluss oder auch nur Kenntnis davon haben.
Warum das eine ideale technische Grundlage für Überwachung und Zensur darstellt habe ich bereits im Essay Zensur durch Trivialisierung: Die Macht der Metadaten in der ersten Phase des openlabs ausgeführt.
In dieser zweiten Phase des openlabs geht es nun darum, wie die Erkenntnisse der ersten Phase praktisch umgesetzt werden können, wie die Verwertungslogik der KI von Künstlern aktiv genutzt werden kann, um sich der systemischen Verwaltung durch Algorithmen zu entziehen oder diese aktiv zu benutzen, um das Postulat des Widerstands als künstlerische Praxis einzulösen.
Der gezielten Verschränkung von analogen und digitalen Metadaten kommt dabei aus meiner Sicht eine zentrale funktionale Bedeutung zu. 
Methodisches Vorgehen
Während die erste Phase des openlabs darauf ausgelegt war, den erkenntnistheoretischen Nutzen von KI in einem diskursiven Framing in Form eines digitalen Archivs mit Logbuch-Charakter festzuhalten, verzichte ich in der zweiten Phase explizit auf die Trennung und Kenntlichmachung der Autorschaft einzelner Textabschnitte. Es ist gewissermassen die Erprobung einer posthumanen Ästhetik, die der neuen Realität zunehmend hybrider Autorschaft entspricht.
In der ersten Phase habe ich gemäß dem Konzept des digitalen Gärtners über konsistente Kontextualisierung mit verschiedenen aufeinanderfolgenden Versionen der KI Gemini eine Art ephemeres digitales Ökosystem erprobt. Die digitale Publikation des Blogs inklusive seiner Metadaten fungiert dabei als dokumentarischer Anker: Sie erlaubt es mir, auf diesen kontextuellen Rahmen diskursiv zu rekurrieren. Dabei ist aber wichtig festzuhalten, dass die KI nicht über ein Gedächtnis verfügt und deshalb als Archiv untauglich ist: Die sich permanent verändernde algorithmische Infrastruktur des Modells macht eine exakte Konservierung oder Reproduktion unmöglich. Wenn Google ein Modell serverseitig aktualisiert oder löscht, sind die internen Vektorräume, die das damalige „Ökosystem“ ausgemacht haben, unwiederbringlich verloren. Im Gegensatz zur analogen Publikation können die digitalen Metadaten diese Lücke nicht schließen. Auch in dieser zweiten Phase bleibt das openlab dennoch eine Co-Kreation von Gemini und mir. Alle hier publizierten Essays sind Hybrid-Texte aus jeweils mehreren prompts und KI-generierten Antworten, die durch meine Kuratierung zu einem einzigen Text verschmelzen.

 

21. 09. 2026